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„Nur ein Mann von unbescholtenem Rufe soll auf¬ 
genommen werden, der in seinem Betragen Verehrung 
gegen Gott, Ergebenheit gegen das Vaterland, allgemeine 
Menschenliebe und gute Sitten zeigt, auch den für unseren 
Bund erforderlichen Bildungsgrad besitzt. Wer jedoch 
diese Eigenschaften hat, ist ohne Rücksicht auf seine 
äusseren Verhältnisse zur Aufnahme fähig. Nur können 
Israeliten nicht aufgenommen werden." 
Erst Marbach gelang es nach hartem Kampfe wider 
das Vorurtheil endlich die Ueberzeugung zum vollen 
Durchbruche zu bringen, dass es eines freien Mannes 
unwürdig, daher unfreimaurerisch sei, gegen die eigene 
bessere Ueberzeugung durch Vorurtheile sich bestimmen 
zu lassen. 
Den 27. März 1849 konnte er in offener Loge mit¬ 
theilen, dass das Directorium der Loge den Beschluss ge- 
fasst habe, den die Juden ausschliessenden Passus unseres 
Logengesetzbuches in Wegfall zu bringen und somit 
künftighin auch Juden die Aufnahme in unsere Loge zu 
gestatten. Er entwickelte die Gründe für diesen Be¬ 
schluss, indem er zeigte, dass ohne Beschränkung Jeder, 
der Gott fürchte, die Menschen liebe und recht thue, ein 
Mitglied des Freimaurerbundes und der Loge Balduin 
zur Linde werden könne. 
Da selbstverständlich aber auch ein Jude nur dann 
aufgenommen werden kann, wenn er dieselbe humane 
Bildung besitzt, auf Grund welcher ihm die Loge er¬ 
öffnet wird, so wurde nachher in dem Grundgesetz der 
Loge die Bestimmung aufgenommen: „dass jedem Nicht- 
christen, welcher Aufnahme in die Loge sucht, mitgetheilt 
werden solle, dass die Freimaurerei nach dem Täufer 
Johannes, welcher der Vorläufer Christi war, sich be¬ 
nenne, und dass sie, auf christlichem Boden in ihrer