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gegenwärtigen Form erwachsen, nach derjenigen Sittlich¬ 
keit strebe, welche Christus verlangt, näinlich Heiligung 
•1er Gesinnung und aufopfernde Liebe zu Gott und den 
Menschen." 
Aber immer noch suchte sich das alte Vorurtheil 
durch eine bequeme Hinterthür wieder in die Loge ein¬ 
zuschleichen; einzelne Brüder, die der gedachten Reform 
nicht hold waren, gaben bei der Ballotage über einen 
Juden verneinende Stimmen ab und vereitelten so dessen 
Aufnahme. 
Marbach erklärte das Abgeben verneinender Voten, 
°hne sich binnen gesetzlicher Frist zu diesen zu bekennen, 
als eine Folge des Eigensinns und unmännlichen Wesens 
und setzte es durch, dass in der Folge jede bei der 
Ballotage über einen Aufnahme Suchenden gefallene ver¬ 
neinende Kugel binnen drei Tagen vor dem Mstr v. St. 
gerechtfertigt werden müsse; geschehe dieses nicht, so 
stehe demselben das Recht zu, die verneinenden Stimmen 
für hellleuchtend zu erklären. So hat ein im Geiste der 
Freimaurerei liegender Fortschritt in der Loge Balduin 
zur Linde. Eingang gefunden, ohne dass je ein Zwiespalt 
zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen sich gel¬ 
tend gemacht oder die Loge je Veranlassung gefunden 
hätte, den gethanen Schritt zu bereuen. 
Wie Marbach die Freimaurerei als versöhnendes 
Princip zwischen den verschiedenen Glaubensgenossen 
betrachtete, darüber nur einige Gedanken aus seinen Vor¬ 
trägen : 
„Unsere Feinde sagen uns nach, wir verleugneten 
den Namen Christi geflissentlich, weil wir Juden auf¬ 
nehmen in unsere Genossenschaft. Aber glauben denn 
die Juden nicht an Christum, d. i. den Messias? sie 
setzen ja vielmehr alle Hoffnung des Heils auf den