Ar 
ihr fremd, doch da unten stand ja: Dein Enkel 
Georg. 
Liebste Großmutter! 
Tie Schwester vom Roten Kreuz schreibt 
auf meine Bitte diesen Brief, denn ich selbst 
kann die Feder noch nicht halten. Ich bin 
nämlich in Rußland verwundet und erst am 
Tage darauf von unserer Sanitätsmannschaft 
aufgefunden worden. Ta ich lange bewußt¬ 
los lag und man keine Uhr, keine Brief¬ 
tasche und kein Erkennungszeichen bei mir 
fand — irgend ein Russe muß mich ausge¬ 
plündert haben — konnte man Wochen hin¬ 
durch nicht einmal meinen Namen feststellen. 
Tie Verwundung war sehr schwer und mein 
Leben hing an einem Haare, aber jetzt geht 
es schon wieder und vielleicht darf ich bald 
zu dir kommen, daß. du mich vollends ge¬ 
sund pflegst. Ich liege jetzt mit anderen Ka¬ 
meraden hier in der Hauptstadt im Spital 
und wir werden sehr gut behandelt. Täg¬ 
lich bekommen wir Besuch und dabei bringt 
man uns immer Geschenke — Leckereien, 
Bücher und Blumen. In einem Schokolade¬ 
päckchen, das ich von einer vornehmen Dame 
erhielt, befand sich auch ein größeres Geld¬ 
stück, das mir sehr gelegen kam, denn es setzte 
mich in den Stand, dir eine Weihnachts¬ 
freude zu bereiten. Hoffentlich ist es mir 
gelungen. — Wie befindest du dich denn? 
Ich ängstige mich oft, daß du ohne mich viel-' 
leicht darben mußt. Aber laß mich nur erst 
wieder ganz gesund und den Frieden in unser 
Land eingekehrt sein, dann will ich gewiß 
doppelt fleißig für dich arbeiten und du sollst 
es fortan nur gut haben. — Lebwohl und 
halte eine recht fröhliche Weihnacht! Es 
grüßt dich 
Dein 
treuer Enkel Georg. 
Großmutter Krause lag plötzlich vor ihrem 
Christbäumchen auf den Knien, den Brief 
zwischen den bebenden Fingern und weinte, 
lachte und betete. Er lebt, er lebt! O Gott, 
ich danke dir! Vergieb, daß ich gegen dich 
gemurrt, du wolltest mich prüfen und ich 
habe die Prüfung schlecht bestanden. Aber 
für künftig soll es mir eine Mahnung sein. 
Tie Kerzen auf den grünen Zweigen kni¬ 
sterten. Draußen am Turm der nahen Kirche 
hallten die Glocken. Sangen sie nicht das 
uralte: „Ehre sei Gott in der Höhe und 
Friede den Menschen auf Erden" in die 
Welt hinaus? 
> 
£ 
- 
‘7 
Spiel und Scherz. 
C 
7 
71 
y 
Schachaufgabe. 
C chmarz. 
a b c d e f 
Weiß (9 + 4) 
Weiß zieht an und setzt mit dem 2. Zuge matt. 
humoristisches. 
Der schlaue Dackerl. Der Herr 
Schwindelhuber legt a n Stammtisch in bered 
len Worten Z'ugniS von der Schlauheit seines 
Dackerls ab. „Denken Sie sich, meine Herrn," 
erzäblt er, „neulich befand ich mich mit meinem 
Dackerl auf dem Heimwege von der Jagd. 
Ich war totmüde. Dackerl schien dies bemerkt 
zu haben, drnn er zog wie närrisch an £ er 
Leine, natürlich um mir's gehen zu erleichtern. 
Bravo, mein Hundert, sag' ich zu ihin, daß 
du deinen Herrn nach Haus bringst. Da er 
den Weg genau kannte, überlich ich m ch ganz 
seiner s cheren Führung — und siehe da, plötz¬ 
lich blieb er stehen und was, meine Herren, 
meinen Sie, wo wir waren?" — „Beim Wckd- 
brcthändlec!" tvar die schlagende Anttvort 
eines Zuhörers. 
Doris (zur Mama, welche eben am Rosinen¬ 
faß steht und Rsinen heraasnimmt): „Mama, 
darf ich nicht arrch einige Rosinen haben?" 
Mama: „Gewiß, nimm dir eine Handooll 
— aber nicht mehr." Doris: „Eine Handvoll? 
Möchtest du sie mir nicht lieber geben? Deine 
Hand ist so viel größer!" — Der kleine Hugo 
bestürmt seinen Vater, ihm doch eine große 
Trommel zu schenken. „Dann hätte ich den 
ganzest Tag unter dem Spektakel der Tronim- 
lcrei zu leiden." „Nein, Papa, ich werde 
nur trommeln, wenn du schläfst!" 
Guter Rat. Ein verschwenderisch leben¬ 
der Sohn schrieb an seinen Vater, daß er sich 
einen eigenen Herd gründen wolle, und bat 
um des Vaters Einwilligung. „Unter der 
Bedingung, daß es ein Sparherd wird," schrieb 
der Vater zurück. 
D a s b e st e W a s s e r. Mehrere Bauern be¬ 
sprachen sich darüber, wo etwa im ganzen 
Dorf das beste Walser sein könne. Ein Witz¬ 
bold erwiderte: „Ich meine, das beste Was¬ 
ser hält der Fuchswirt, denn ec schüttet seinen 
Gästen etwas Wein hinein." 
Bilderrätfd. 
Auflösungen der Rätsel ans 
voriger Nummer: 
Schachaufgabe (Drcizüger von Berger): 
W. Xcl, Dh8, Lg3, Sa4, ei, Bd5, f4, gö; 
Schw. Ke3, La?, Bc2, c4, d6, d/, g4 — 
1 Db2, L beliebig: 2 Sc3, Kd4; 3. Lfi + 
Matt. 
(Auslösungen der Rätsel folgen in nächster 
Nummer.)