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Krefsblattes* 
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Nummer 26. 
Druck und Verlag: 
3. L. Uth's hosbuchdruckerei 
Verantwort!. Schriftleiter: 
Leo llth, §ulda 
Zahrgang (ysk. 
nfet 
liotme* 
Roman von Lrilt 
(Sd&fui) 
Sie knieie Neben ihmnteaer und rief leise seinen 
Namen. Da wandte er den Kopf und starrte sie eine,! 
Augenblick an, als ob er sich im Halbdunkel überzeugen 
müsse, daß sie selbst es war, kein Phantom. „Ich bin ge¬ 
kommen^ um Sie und meinen Monn zu holen. Drunten 
am Pasrg liegt ein Boot, und wir werden Sie in Ihren 
Qualen voller Liebe pflegen —* 
„Nach Manila zurückkehren?" fragte er schwach. 
„Sennora Sylvia, die Spanier werden mich greifen, wo 
sie es vermögen 
„Wir werden uns nicht nehmen lassen, unfern schwer¬ 
kranken Freund zu pflegen, ganz still und ungesehen 
werden wir Sie zurückführen — und keine Hand eines 
Spaniers soll Sie berühren —" 
. Er sah sie an mit tiefeingesunkenen Rügen, mit einem 
Blick, in dem schon ein aualvolles Sterben lag. Sie konnte 
ihn hier nicht sterben lassen in dieser dumpfem dunklen 
Hütte — sie konnte ihn hier nicht verlassen, wo Herbert 
so schnell wie möglich in die Behandlung eines Arztes 
sollte^ 
Sylvia erhob sich, um ihren Aufbruch zu beschleunigen. 
„Was tust du da?" fragte sie einen der Malayen, der das 
einzige Fenster, das der Raum bot. sorgfältig mit Papier 
und Lappen verdeckte und auch bei ihrem Eintritt die Tür 
sogleich leise zugezvgen hatte. Er wandte sich um und sah 
Sylvia riuen Augenblick ernst, fast traurig an. Tann 
flüsterte er leise, damit Jgnatio es nicht hören sollte: 
„Ich verschließe alle Locher und Fenster, damit Pa- 
tianac nicht hereinkommen kann —" — „Wer ist Patianac?' 
— „Der böse Geist, der immer kommen will, wenn eurer 
Mm Sterben liegt —. er schlüpft durch Fen.ier und Ti reu 
und setzt sich den Kranken auf die Brust und gr-mt sie; und 
jetzt hefte ich noch dieses Heiligeubild, fr :> der P., - rer 
gesegnet hat, ans Fenster, dann konunt Patun,ac nicht 
herein, und unser Herr findet Ruhe. — 
Dabei knüpfte er ein kleines ans Samt gemaltes 
Mnttergottesbild von einer Schnur loch die er am dm 
Hals trug, und wollte es an die verdeckte Öffnung ballen 
„Laß das!" wehrte Sylvia ihm leise, „Mi um letzt 
deinen Herrn zum Boot au den Pasig hinabirngeu, >. r 
werden ihn mit uns nehmen und ihn pflegen, lind was 
wird aus euch — 
Der Malaye zuckte die Achseln. „Wenn er uns fehlt, 
weiß ich nicht, wer uns führen soll, und wir werde» u • 
Innere entweichen, zu den Moros, die die Sp-imer w 
fürchten, daß sie ihnen nicyt mehr zu nahe kommen." 
In diesem Augenblick schlich Antonio Heren,. „Wir 
sind bereit. Sennora!" Und er schob mit Prpe leise eine 
Tragbahre herein. „Bettel ihn daraus so fovfifnm ihr 
es könnt, und bedenkt, daß er entsetzliche Schmer ev leidet " 
sagte Sylvia. Antonio hatte von den mitgcbra, len Kitzen 
und Decken auf die Tragbahre gelegt und so trugen in 
Jgnatio, der besinnungslos vor Schmerzen *u ,ew sck.im, 
unter der größten Anstrengung, jede» ia n,n uwm Stotz 
zu vermeiden, die schniale Bainbusstiege hinab. 
Grupe-Lörcher. ch 
(Nachdruck verboten.) 
„Antonio bat rnir die Wunde inzivischen ganz gut 
oerbrmde-rl" sagte Herbert, als Sylvia wieder auf die 
Azvtea hirmnstrat, „es war gut, daß du für Decken und 
Kissen und für Verbandzeug sorgtest, und daß wir nun im 
Boot hinabfahren können - denn auf dem Wagen, den 
ivir für die Kisten mit ins Innere nahmertz Hütten wir es 
vor Stößen und Schmerzen nicht ertragen können. Du bist 
ein ganz geschickter Bursche und hast wirklich allerlei ge- 
lernt, werm die Eingeborenen bei Unfällen immer gleich 
hilfesuchend in'unsere Apotheke gelaufen kamen." 
„Jetzt kommt die Reihe an dich!" unterbrach ihn 
Sylvia, „die Männer sind mit Jgnatio oorangeganzen." 
„Aber nun ist nur noch Antonio fiter —" 
„Und Pope, er wird gleich kommen, er hat den andern 
eben nur die Stiege hernntergeholfen, komm. Antonio!" 
Sie schob den Arm unter Herberts Rücken. 
„Dwwirst mich nicht tragen können, du wirst dich 
überanstrengen - " 
„Hast du mich nicht auch beim Erdbeben hinabgetragen, 
du ganz allein?" 
Sie, selbst noch eine fauni Genesene, trug Herbert 
mit AntonioS starken Armen zusammen auf die Tragbahre. 
Und während Antonio Pope, der eben herzukam, noch An¬ 
weisung gab. sagte Herber, leise voller Herzlichkeit, mährend 
er Sylvias Hand ergriff: „Ich habe erst verwundet 
werden müssen, um zu wissen, daß meine Frau mich so 
lieb hat!" 
Und das sagte Herbert, vor dem sie sich gefürchtet 
halle, von dem sie sich innerlich abgewendet, als er ihr 
in so kraftvoller Männlichkeit. schlicht und ohne die er- 
warteten äußeren Höflichteiten zum erstenmal gegenüber- 
stand! • 
Sie stellten Jgnotios Tragbahre in die Mitte des ge- 
p- r. a ,*^uväe£jii! Kahn dann! der Bosten, der vor dem 
Eingang der Stadt möglicherweise den in die Stadt! 
io; eiiöat K.chn ins Auge faßte, keinen Verdarbt schöpftet 
uiiä nach Jgnatio suchen würde. Die drei Rudernden 
ientzu, üch vorn an dev oberen Teil des Bootes, während 
S l' na ftu Herbert ans Decken und Kissen einen Platz' 
an, Ende zureck tg'mackst hatte, auf dem er mit seinem 
verletzen Beist halb liegen, halb sitzen konnte. 
W:e eine große Feierlichkeit war es über die NatE 
grbrettet. Alles lag in tiefem Schweigen; nur die Ruder 
Pjfl'i;» leise auf und nieder. Der Kahn glitt mit dev: 
Stirn,ung schnell hinab. Die Nacht war kühl und an« 
ge-nln:. und alles lag im Vollmond in durchsichtiger 
Klarheit da. 
Sylvia und Herbert saßen Hand in Sand schweigend 
und ergriffen nebeneinander. 
Da gewo'-rte Sylvia, wie Jgnatio, den sie von ihrenl 
oue i>» Auge behielt, den Kops bewegte und die 
»mH w-u'knschlob. Sofort erhob sie sich und tastete 
sia oprnchjig IM sckn'a>-'?nden Kahn zu ihm hin. Es 
cm U sie. daß man rn Versuch machen sollte, seine! 
VeUetznnge,, zu verbinden. Aber was waren die du&eien