Full text: Hrabanus Maurus der Schöpfer des deutschen Schulwesens

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sächlich in der Absicht die beiden jungen Mönche dort als geschickte Lehrer zur Organisation der Klosterschule in Fulda nach dem Muster der Academia Turonensis ausbilden zu lassen . Der Abt Ratgar mochte aber eher nach einem ausdrücklichen bote Karls des Grossen als auf eignen Antrieb gehandelt haben ; denn nach dem Tode dieses ausgezeichneten Fürsten erscheint er , wie sich weiter unten ergeben wird , nichts weniger als ein Begünstiger der Litteratur und geistiger Beschäftigung . Genug aber , dass durch den einmal gethanen Schritt das Bediirfniss höherer Ausbildung für die Zukunft geweckt war und selbst durch die härteste Bedrückung nicht wieder gänzlich erstickt werden konnte . 
Wie lange Hraban Alkuins Schule besucht habe vermögen wir nicht genau zu bestimmen : fest aber steht es , dass der geistig anregende Lehrer , der schon frühzeitig die Gedichte des A irgilius mit besonderer Vorliebe gelesen haben soll16 ) , den in der Handhabung des Lateinischen Versmaasses wohl geübten Schüler veranlasst hatte de laudibus sanctrn crucis zu schreiben und ihn noch vor seinem Tode brieflich aufforderte sein Versprechen auch wirklich zu erfüllen17 ) . Kam nun Hraban erst 802 nach Tours und starb Alkuin schon 80418 ) , so dürfte der Aufenthalt des ersteren kaum zwei Jahre gedauert haben : es wäre aber möglich , dass er schon einmal in früheren Jahren hin geschickt w orden , als sechsundzwanzigjähriger Jüngling aber seine letzte Ausbildung zum Lehramte daselbst genossen habe . Das Andenken an seinen theuern Lehrer wahrte er stets dankbar in seiner Brust , und vollendete dreissig Jahre alt19 ) das sprochene Werk . Im Eingänge lässt er den Alkuin in Distichen reden , wie er ihn selbst dem h . Martinus , dem Schutzgeiste der Kirche und Schule zu Tours , empfiehlt und ihn im wesentlichen also anruft : „ Heiliger Gottes , als Hüter deiner Kirche unterwiess ich diesen Knaben in den göttlichen Geboten , in der Sittenlehre und Weisheit : er selbst ist seiner Herkunft nach ein Franke und Bewohner des Bukonischen Waldes20 ) , her gesandt , um Gottes Wort zu lernen ; denn sein Abt , Lenker der Fuldischen Heerde , 
Frobenius ad Alcuini opera praef . p . XLIII nach ge schrieben , aber mit unverantwortlichem Leichtsinn als ein historisches Factum aufgestellt zu sein , während Frobenius nur eine bescheidene Vermuthung äussert . Ebenso unbegründet ist , was gleich darauf gemeldet wird : „ Im Jahre 802 kehrte R . in das Kloster nach Fulda zurück . “ Diese Notiz ist ebenfalls ohne weitere Prüfung dem Frobenius 1 , c , p . 162 nachgesprochen . 
16 ) Alcuini vita c . 1 . Operum ed . Frohen . T . I p , LX . Das von dem alten Biographen c . 10 erwähnte bot des Virgilius ist beim Lichte besehen nichts weiter als eine obscure mönchische Fiction , der man gern einen berühmten Namen unterschieben wollte . 
17 ) Alcuini epist . 111 . Operum T . I p . 162 . 
18 ) Vid . Pertz . monurnenta Germ , hist , I p . 18 extr . 87 . 93 , 103 , 120 . 
19 ) Operum T . I p . 275 sagt Hraban selbst : ubi sex lustra implevit . Rudolf vita § . 49 . anno aetatis suae circiter trigesimo . 
20 ) d . h . B u c h e n w a 1 d e s , der von dem Deutschen Wort Buch e , - weil diese Baumart dort sehr häufig gewesen sein soll , Lateinisch silva Buconia oder Boconia genanntdas Kloster Fulda umgab und erst allmählig von den Mönchen mehr ausgerodet wurde , Candidus schreibt hierüber : Silvam fagi de nomine dictam Buchoniam , undisonus serpens ubi labitur amnis Fulda , linde iste locus , ubi nunc ingentia cernis Moenia , prima olim nomen ab origine surnsit . cf . Broweri Ant , Fuld , p , 1 s<j . Schneiders Buchonia Bd . I . Heft 1 . S . 1 ff , Heft 2 . S . 29 f .
	        
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