Full text: Hrabanus Maurus der Schöpfer des deutschen Schulwesens

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schickte ihn hierher unter dein Dach , o Vater , um als Schüler mit mir zu treiben die Kunst des Versmaasses und gründlich sich anzueignen die heilige Schrift21 ) . “ Das theils in Versen theils in Prosa verfasste Werk verräth , nie auch die meisten seiner übrigen Poesieen , mehr Kunst und Gewandtheit als eine wahrhaft dichterische Ader : der fasser hascht im Geiste seiner Zeit nach den seltsamsten mystischen Bildern und stellungen , und bedient sich dabei mancher Kunstgriffe , die man nach kaltblütiger wägung als kindische Spielereien belächeln möchte . So stellt gleich vorn ein Bild die Gestalt Kaiser Ludwigs dar , in der Rechten das Kreuz , in der Linken den Schild tend : Hrabans Verse laufen mitten durch das Bild , die rothen Buchstaben aber welche in die Figur selbst treten lassen sich wieder als besondere V erse lesen , z . B . als zwei Adonische in dem das Haupt umringenden Kreis : Tu Hl udo vicum , Christe , corona . Und so bieten das Kreuz und der Schild noch andre Verse dar . in ähnlicher Art werden mit verschiedenen Bildungen des Kreuzes in 28 Darstellungen die sten Verse herausgebracht , die nicht selten überaus sinnreich , im Ganzen aber ebenso gezwungen als mühsam erscheinen . Auf dem letzten Bilde kniet der Dichter selbst unter dem Kreuze , und die in seine Figur treffenden Buchstaben machen anderthalb Hexameter aus : 
Rabanum memet clemens rogo Christe tuere O pie iudicio . 
Das Trivium und Quadrivium war bekanntlich in jener Zeit Hauptgegenstand des Unterrichts , wodurch der künftige Lehrer und Prediger zu seiner eigentlichen Bestimmung vorbereitet wurde . Alkuin schreibt selbst in einem Briefe an Karl den Grossen , er strebe sich der Ermahnung und dem W illen des Kaisers gemäss unter dem Dache des h . Martinus Einigen den Honig der heiligen Schrift zu reichen , Andre mit dem Weine der alten Wissenschaften zu berauschen , wieder Andre mit den Früchten grammatischer Gründlichkeit zu nähren , Manche durch Ordnung der Gestirne zu beleuchten , um recht viele zur Fortbildung der heiligen Kirche Gottes und zum Ruhme des kaiserlichen Reiches zu unterweisen22 ) . Hraban selbst hebt im dritten Buch de clericorum tutione ( Operum T . VT p . 41 ) mit grösstem Recht die Grammatik als den Grundpfeiler aller höheren Geistesbildung hervor : die Grammatik , sagt er , ist die Wissenschaft Dichter und Historiker zu erklären und die Art und Weise richtig zu schreiben und zu sprechen * Sie ist sowohl der Ursprung als auch das Fundament der freien Künste . Denn wo sie einen Fehler entdeckt , da tadelt sie , und wo etwas gut gesagt ist , da wird sie es durch ihr Urtheil bestätigen . Die zweite unter den sieben freien Künsten ist die Rhetorik oder die Wissenschaft gut zu reden . Die dritte , die Dialektik , ist die 
21 ) Ki abani Operum T * I p . . ¿75 * Als Beispiel äusserst willkiihrlicher Auslegung mag erwähnt werden , dass Tritheim statt des heiligen Martinus den gleichnamigen Papst im Sinne hat und so mir nichts dir nichts den Alkuin sammt Hraban nach Rom zaubert , nm dort zu lehren und zu lernen . Nicht minder unkritisch verfährt Schwarz comm . de Rabano M . p . IS . 
22 ) Alcuini ep . 38 , Operum T , I p . 53 .
	        
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