Full text: Hrabanus Maurus der Schöpfer des deutschen Schulwesens

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Wissenschaft aller Wissenschaften , sie lehrt lehren und lernen , in ihr spiegelt sich die Vernunft selbst ab und ortheilt was sie ist , was sie will , was sie gewahrt , in ihr erkennen wir was wir sind und woher wir sind , was der Schöpfer und was das schöpf , durch sie erforschen wir die W ahrheit und enthüllen das Falsche u . s . w . Daran schliessen sich Arithmetik , Geometrie , Musik , Astronomie , die auch unter dem gemeinsamen Namen Mathematik begrüben werden . So glaubt nunHraban gezeigt zu haben , was für einen Nutzen die septem liberales artes dem Geistlichen gewähren , und fährt dann fort : „ Dasjenige was die Philosophen , insonderheit die Platonischen , in ihren Schriften W ahres und unserm Glauben Angemessenes gesagt haben ist nicht nur nicht zu verabscheuen sondern von ihnen als unrechtmässigen Besitzern sogar in Beschlag zu nehmen23 ) . “ 
Nach seiner Rückkehr aus Tours ward Hraban der Schule in Fulda vorgesetzt , die eigentlich von nun an erst recht ins Leben trat . Eine alte Urkunde bezeichnet ihn als rector et doctor optimus24 ) . Der Ruf von seiner Gelehrsamkeit und dem gezeichneten Zustande der Schule verbreitete sich bald nach allen Seiten hin , und zwar nicht bloss in Deutschland , sondern auch in Frankreich , so dass alles dorthin strömte , um sich sowohl zu geistlichen als auch weltlichen W ürden wissenschaftlich vorzubereiten . Die Vorstheher andrer Klöster schickten hoffnungsvolle Jünglinge nach Fulda , um zu Lehrern für ihre Schulen gebildet zu werden , andre beriefen schon bewährte Lehrer dorther , um ihnen die Leitung ihrer Unterrichtsanstalten zu übertragen . Hrabans Schüler Rudolf preist seinen Lehrer als einen sehr gewissenhaften und in der heiligen Schrift überaus bewanderten Mann , dessen ganzer Eifer auf Ausübung des göttlichen Gesetzes und Erforschung der W ahrheit sowie auf sorgfältige Klosterzucht , die in dieser Zeit gleichbedeutend mit strenger Schulzucht ist , und auf die Fortschritte seiner Schüler gerichtet war . Sein Unterricht erstreckte sich nicht bloss auf die sogenannten freien Künste und auf Erklärung der heiligen Schriften , sondern es wurden auch alte nische Dichter und Prosaiker unter seiner Leitung gelesen , ja vielleicht gar einige nothdürftige Kenntnisse in der Griechischen Sprache gewonnen . Einer seiner testen Schüler , Servatus Lupus , der mit einem gewissen Heisshunger überall nach schriften classischer Werke hascht , fragte in einem Briefe an den Mönch Altuin , ob Probus ( damals Lehrer in Fulda ) in dem W^alde von Deutschland ( d . h . in dem Bu - konischen ) die freien Wissenschaften der Reihe nach durchgehe , oder ob er den cero und Virgilius und die übrigen seiner Meinung nach bewährtesten Männer unter die Auserwählten zähle25 ) . Daraus lässt sich ein sicherer Schluss auf das Dasein teinischer Handschriften ziehen , welche die W erke der genannten und andrer Auctoren 
23 ) Operum T . VI p . 44 . 
24 ) Vid . Schaimat , cod . probat , bist . Fuld . p . 2 . 
25 ) Lupi epist . 20 . Operum ed , Baluzius p . 43 . cf . Broweri Aut . Fuld . p , 46 . Dass auch Lupus selbst ein grosser Verehrer des Virgilius war , ersieht man aus seinem 7 Brief S . 25 : satius est ut in Virgiliana lectione , ut optime potes , proficias . cf . ep . 44 . p . 86 .
	        
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