Full text: Hrabanus Maurus der Schöpfer des deutschen Schulwesens

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enthielten . Von einzelnen Werken des Cicero besass man in der Bibliothek zu Fulda schon Abschriften , als Lupus den Hrabanus hörte ; denn in einem von dort aus an hard , den Biographen Karls des Grossen , abgeschickten Schreiben wünscht er von selben unter andern einen Codex der Ciceronischen Schrift de rhetorica zur Einsicht zu erhalten , die er zwar selbst besitze , aber in sehr verdorbener Gestalt ; darum habe er sie mit einem in Fulda befindlichen Codex verglichen , dieser sei aber noch hafter als sein eigner26 ) . Später schreibt Lupus einmal an den Priimer Abt Markward , er möchte einen geschickten Mönch nach Fulda abgehen lassen , um sich vom Abt Hatto , Hrabans Nachfolger , den Suetonius Tran quill us de vita Caesarum zum Abschreiben zubitten , der sich daselbst in zwei nicht grosse Codices vertheilt befände ; alsdann wünscht ihn Lupus auch selbst zu erhalten , weil er in seiner Gegend nirgends treiben sei27 ) . Dass namentlich den Gedichten des Virgilius schon frühzeitig eine sehr gründliche Interpretation zu Theil geworden sein mochte , folgern wir nicht ohne einen gewissen Grad von Wahrscheinlichkeit aus dem einfachen Umstande , dass der älteste und zuverlässigste Codex des berühmtesten Commentators , des Servius , der sich zutage in Cassel befindet , eben aus der weltberühmten Bibliothek zu Fulda herstammt28 ) . Auch erwähnt Servatus Lupus während seines Aufenthaltes in Fulda ausser dem Gellius , den der Abt Hrabanus eben abschreiben lassen wollte , auch des Servius 29 ) , wie es denn auch keinem Zweifel unterworfen ist , dass erst durch Hraban ein gründlicheres Yerständniss des Dichters angeregt worden ist . Jedenfalls durften demjenigen die dichte des Yirgilius , Ovidius und Horatius nicht unbekannt geblieben sein , der sie mit den poetischen Versuchen eines seiner Freunde folgendermaassen etwas hyperbolisch vergleicht : 
Carmina nempe tua dico meliora Maronis Carminibus , celsi cantibus Ovidii , 
Odis quas cecinit Flaccus — 30 ) 
Des Horatius ars poetica nennt er anderswo ausdrücklich31 ) . Aber selbst Lucretiuswar von ihm gekannt und benutzt , indem er sich in einer metrischen Freiheit vorzugsweise auf ihn beruft32 ) . Ferner gedenkt Hraban der Georgien auf eine Weise , wie es nur von einem mit ihrem Inhalte vertrauten Leser vorausgesetzt werden kann : indem er nämlich die Poesie in drei Gattungen zerlegt , in die handelnde erzählende und gemischte , 
26 ) Lupi ep . 1 . p . 4 . Quare cum codice istic ( sc . Fuldae ) reperto illum contuli , et quem cer - tioremputabam mendosiorem inveni . 
27 ) Lupi ep . 91 . p . 137 . 
28 ) S . Dübner in Zimmermanns Zeitschrift für die Alterthumswiss . 1834 . Nr . 152 f . 
29 ) Lupi ep . 5 . p . 23 . cf . ep . 8 . p . 26 . 
30 ) Hrabam operum T . VI p . 203 . Der prosodische Schnitzer tua statt tua scheint ihm in der Eile entschlüpft 
und später übersehen worden zu sein . * 
31 ) Operum T . I p . 33 . 
32 ) Operum T . I p . 2 / 9 . extr . Feci quoque et synaloepham , — quod et TITVS LVCRETIVS non raro fecisse invenitur . So spricht er in der Einleitung zu dem Gedichte de s . cruce . 
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