Full text: Hrabanus Maurus der Schöpfer des deutschen Schulwesens

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auch Hrabans eigne Gedichte ein gründliches Studium der alten Prosodie und Metrik A nothwendig voraussetzen . 
Auf planmässige Vermehrung der schon von Karl dem Grossen vor Hrabans Zeiten begonnenen Büchersammlung42 ) war er gewiss eifrigst bedacht , und wenn es sich auch nicht durch ein glaubwürdiges Zeugniss erhärten Hesse43 ) , so würde man es aus einem an den Bibliothekar Gerhohus gerichteten Gedichte zu vermuthen berechtigt sein . „ Was • kann ich sagen , redet er jenen an , über das grosse Lob der Bücher , die du unter schluss hast , geliebter Bruder ? Alles was Gott aus seiner Himmelsburg von heiliger Schrift durch fromme Worte auf den Erdkreis unter die Menschen geschickt hat , ist dort zu finden , und alles was die Weisheit der Welt in die Welt gebracht hat zu schiedenen Zeiten44 ) . “ Er scheidet also genau die biblischen und kirchlichen Bücher von der Profanlitteratur , unter der wir wohl vorzugsweise Schriftsteller des Römischen Alterthums zu verstehen haben . Mag nun auch gedachtes Gedicht vielleicht erst später entstanden sein , als Hraban bereits Abt geworden war , auf jeden Fall zeugt es von einer schon zu Anfang des neunten Jahrhunderts bedeutend vorgeshrittenen und lich ausgestatteten Klosterbibliothek , die auf seine Amtsgenossen wie auf die chen Schüler ihren geistigen Einfluss schwerlich verfehlte . 
Von seiner genaueren Bekanntschaft mit der Griechischen Sprache und Litteratur haben wir zwar keine ganz zuverlässige Kunde , aber ein von Tritheim hingeworfenes Wort scheint , wie aus eines jeden gründlich gebildeten , nach höherer Weisheit benden Mannes , also auch aus Hrabans Seele gesprochen zu sein , er habe gar wohl eingesehen , dass Niemand des Lateinischen in der That kundig und in der heiligen Schrift völlig bewandert sein könnte , wenn er mit der Griechischen Sprache unbekannt wäre : „ denn wie der Bach aus der Quelle , so ist aus der Griechischen Sprache die Lateinische abzuleiten und jeder , der die Bekanntschaft mit der Quelle verschmäht , kennt keineswegs die eigenthümliche Kraft des Baches aus dem er schöpft45 ) . “ Schon aus dem einfachen Umstande , dass in Hrabans Werken sehr häufig , wenn gleich unter verfehlte oder von Isidorus aufgegriffene Erläuterungen Griechischer Wörter kommen , die bald mit ihren eignen , bald mit Lateinischen Buchstaben geschrieben sind , lässt sich auf eine w enigstens nothdürftige Kenntniss der Griechischen Sprache schliessen . Dass ihm das Griechische wie auch Hebräische Alphabet bekannt war , zeigt ein von ihm selbst verfasstes , in seinen Werken abgedrucktes Verzeichniss46 ) . Auch nennt er die Griechische Sprache tonreicher als die Lateinische und alle andern Sprachen , und 
42 ) Vid . Schannat . hist Fuld . p , 66 . 
43 ) Bei Schannat . cod . probat , hist . Fuld . p . 2 . sagen die acta vetusta abbatum Fuld . folgendes üder Hraba - nus aus : fecit et b ib 1 i o t h e c a m , quam tanta librorura multitudine ditayit ut vix dinu - merari q u e a n t . 
44 ) Operum T . VI p . 207 ; 
45 ) rrithemius A . S . 1 . c . p . 528 . Vgl . Docens Miscellaneen zur Geschichte der Deutschen Litt I p 172 
46 ) Operum T . VI p . 333 sq .
	        
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