Full text: Hrabanus Maurus der Schöpfer des deutschen Schulwesens

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collationirte und verbesserte die Schreibfehler der Handschriften , wieder Andre Übten ihren Geist in dialektischen Streitfragen . Kurzum jeder fand nach Maassgabe seiner türlichen Fähigkeiten irgend eine Beschäftigung . Wer zu jenen mehr geistigen ten minder geeignet war , musste entweder kalligraphische Abschriften liefern oder die bereits vollendeten Codices einbinden oder die rothen Anfangsbuchstaben schreiben und sonstige Verzierungen in den Handschriften ausmalen . Ja sogar für Kunstwerke aus Gold und anderm Metall hatte Hraban einen eignen Fonds ausgeworfen und net dass die Werkstätte des Abtes nie leer stehen sollte65 ) . 
Gegen die Armen war er sehr mildthätig , und setzte unter andern fest , dass desmal nach dem Tode eines Mitgliedes der Klostergemeine der diesem zukommende Antheil von Speise und Trank dreissig Tage lang den Hülfsbedürftigen verabreicht werden sollte . Ein Mönch , dem diese Vertheilung oblag , hatte einstmals aus Geiz die Bestimmungen seines Abtes nicht pünktlich erfüllt , und weil sich diese Pflichtversäum - niss wiederholt haben mag , da erschienen urplötzlich in nächtlicher Weile die Geister der hingeschiedenen Brüder und fielen so gewaltig über ihn her , dass er ohnmächtig zu Boden sank und noch wie todt da lag , als die andern zum Frühgottesdienste eilten . Die vermeintlichen Gespenster mögen einer psychologischen Täuschung anheimfallen i einem starken und kräftigen Geiste aber wird es in Zeiten einer ungewöhnlichen lichen Krisis , wo sich Gemeinheit überall geltend zu machen sucht und ein gut Theil Derbheit den Grundzug eines festen Charakters bildet , Niemand verargen , dass er , wenn vernünftige Vorstellungen fruchtlos bleiben , zu scheinbar übernatürlichen Züchtigungen seine Zuflucht nimmt , um dadurch die Gesammtheit zu retten . Hier heiligt der Zweck die Mittel . 
So stand Iirabanus Maurus zwanzig Jahre lang als Abt seinem Kloster vor , und zwar mit edler Würde ( nobiliter ) und in ausgezeichneter Weise ( egregie ) , wie die ältesten Zeugnisse , Rudolfs Biographie und die Acta abbatum Fuldensium , ausdrücklich beurkunden , im Jahre 842 musste Lothar der Uebermacht seiner Brüder weichen ; da aber Hraban sich der besonderen Gunst des Kaisers erfreute , so benutzte die Mehrzahl der seiner Strenge und Pünktlichkeit überdrüssigen Mönche diese Gelegenheit sich nes so aufmerksamen Hirten zu entledigen , oder , wie Lambert von Aschaffenburg sich ausdrückt , Lothar ward aus seinem Reiche und Hraban aus seinem Kloster verjagt . Nirgends findet man den wahren Grund seiner Vertreibung näher angegeben , kein ziger Berichterstatter aber spricht gegen den ausgeschiedenen Abt auch nur den sesten Tadel aus . Der einzige Tritheim erzählt in dem Chronicon von Hirschau , ban habe durch die Betrügereien Einiger das Kloster verlassen ; dagegen lässt derselbe Litterator in Hrabans Leben den Mönch Meginfrid , der im zwölften dert zu Fulda lebte , ganz allgemein aussagen , es sei unter Anreizung des Teufels ein Zwiespalt ausgebrochen , in Folge dessen der Abt sein Amt niedergelegt habe : dieser 
65 ) Broweri Ant . Fuld , p . 45 sq .
	        
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