Full text: Hrabanus Maurus der Schöpfer des deutschen Schulwesens

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zusammengestellt hat , mit denen er hie und da seine eignen Ansichten und rungen verschmilzt . Auch bemerkt er selbst in der Zueignung , er habe hier kurz zu - sammengefasst was in vielen dicken Bänden und mit rednerischer Fülle von Andern vorgetragen sei . Ueberall aber leuchtet das unzweideutige rastlose Streben hervor die geistige Ausbildung seiner Zeitgenossen über den bisherigen Standpunct zu erheben und dem Reiche des Lichtes und der Wahrheit in allen Verhältnissen des Lebens die Bahn zu brechen . Von diesem Gesichtspunete aus betrachtet steht der Mann in seinem Werke und in seiner Zeit als einzig da . Von seinen lichtscheuen Brüdern gefürchtet und verstossen zieht er sich zurück auf einen einsamen Berg und waltet von da aus mit der Kraft seines Geistes und der Leuchte seiner Wissenschaft über das ganze versum , still und gelassen , bis er aus seinem Winkel hervorgezogen an die Spitze der Deutschen Kirche gestellt wird . Auch der Biograph Rudolf erzählt mit Uebergehung des wahrscheinlich nur kurzen Aufenthaltes jenseits des Rheins , Hraban habe in seiner Einsiedelei sieh dem Dienste Gottes und der himmlischen Philosophie gew eihet . „ Denn er trieb das Studium der Schriften von Kindheit an sehr eifrig und gemäss der ihm von oben verliehenen Gabe liebte er das Lesen der göttlichen Bücher am meisten und beschäftigte sich damit häufiger . Daher begann er auf Ermunterung seiner Brüder und Freunde Erläuterungen sowohl über das alte als auch neue Testament niederzuschreiben68 ) . 
Sowie Hraban in ausgezeichneter Achtung bei Kaiser Lothar stand , der ihm sogar in einem eignen Briefe seine Zufriedenheit mit dem Einsiedlerleben zu erkennen gibt , ebenso wusste der in allen Verhältnissen grade und offne , nur dem Guten und Wahren huldigende Mann auch Ludwig den Deutschen für sich zu gewinnen . Eine von Trit - lieim mitgetheilte , im übrigen auf grundfalscher Basis beruhende Aotiz lässt sich leicht dahin vermitteln , dass Hraban , nachdem er bereits drei Jahre lang auf dem Pe - tersberge in edler Müsse verlebt , von Ludwig an seinen Hof beschieden wurde und dort zwei Jahre verweilte , bis er nach Otgars Tod Erzbischof von Mainz ward . Mag es sich nun auch mit dem übrigen verhalten , wie es wolle , so viel steht durch die triftigsten Zeugnisse unumstösslich fest , das Hrabanus Maurus im Jahre 847 durch König Ludwig als Erzbischof von Mainz eingesetzt wurde , der sechste seit Gründung dieser Kathedrale durch Ronifacius , den Apostel der Deutschen . Dieser erzbischöfliche Stuhl aber bildete damals den Mittelpunct der Deutschen Kirche . Auf dass nun die Christliche Lehre auf Deutschem Boden gleich den Knospen des Lenzes immer von neuem ergrünen und sich mehr und mehr aus dem frischen Leben zur schönsten Blüthe und herrlichsten Frucht entfalten , aber nicht unter dem Drucke hohler Formen erstarren und in ihrem natürlichen , durch den göttlichen Erlöser selbst ihrem Keime eingeimpften dungstrieb erstickt w erden möchte , berief Hraban schon in den ersten Monden seines hirtenamtes eine Kirchenversammlung aller dem Reiche Ludwigs des Deutschen einver - leibter Bischöfe und Aebte , welche im October desselbigen Jahres zu Mainz in der 
G8 ) Rudolfi vita § . 49 . 
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