Full text: Hrabanus Maurus der Schöpfer des deutschen Schulwesens

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Kirche des h . Albanus überall her zusammenkamen . Die hier gefassten Beschlüsse haben sich bis auf den heutigen Tag erhalten , woraus wir als für die weitere dung der Deutschen Sprache äusserst wichtig den Inhalt des zweiten Artikels heben , wornach es nicht bloss den Priestern überhaupt zur Pflicht gemacht wird , dass sie dasjenige w as den Glauben angeht und über Ausrottung der Laster sowie über bau der Tugenden geschrieben steht häufig lesen und richtig verstehen lernen sollten , um dem Volke darüber zu predigen , sondern auch den Bischöfen aufgegeben wird die Homilieen in rusticam Romanam linguam aut Theodiscam zu übersetzen69 ) , d . h . je nach den Bedürfnissen des west - und ostfränkischen Volkes entweder in die eben erst in ihrer Gährung begriffene , aus Romanischen , Keltischen und Germanischen teilen vermischte Französische oder in die Deutsche Sprache . Bemerkenswerth ist auch die Vorladung der Seherin Thiota , welche an die Veleda des Germanischen Alterthums erinnert : sie hatte durch ihre Weissagungen grosses Aufsehen und gerade damals die lebhafteste Bestürzung erregt , weil sie den nahe bevorstehenden Untergang der Welt prophezeihte . Sie ward zum offnen Geständniss ihrer aus schnöder sucht entsprungenen Gaukeleien und Lügenkünste gebracht und zur Strafe öffentlich ausgepeitscht . In einer zweiten 848 abgehaltenen Synode kam Gotschalks tionslehre zur Sprache , wornach Gott von Anbeginn die Menschen entweder zu ewiger Seeligkeit oder Verdammniss im voraus bestimmt haben soll . Eine solche Lehre , fentlich gepredigt , musste Hraban vom praktischen Standpunkte aus höchst gefährlich finden , da selbige , wie er selbst in einem Briefe äussert , schon viele zur Verzweiflung gebracht habe , indem sie sagten : Was habe ich nöthig für mein Heil und das ewige Leben zu ringen ? weil , wenn ich Gutes thue und nicht zum Leben im voraus bestimmt bin , es mir doch nichts frommt , dagegen wenn ich Böses thue , es mir nichts schadet , weil Gottes Vorausbestimmung bewirken wird dass ich dennoch zum ewigen Leben lange70 ) . Da aber Gotschalk auf seiner Ansicht unerschütterlich bestand , so wurde er als unverbesserlich aus der Diöcese verwiesen und an seinen Erzbischof Hinkmar nach Reims abgeliefert . Dieses Verfahren ist demHrabanus vielfältig als übertriebene Härte zur Last gelegt worden . Aber sicherlich mit Unrecht . Denn wenn er von der kehrten Anw endung jenes Grundsatzes nach seiner innigsten Ueberzeugung die sten Folgen befürchtete , ja sogar theiiweise schon erfahren hatte , so musste er als treuer und eifriger Hirt , zumal in jenen Zeiten , die nöthigen Maassregeln ergreifen das Seelenheil der ihm anvertrauten Heerde je eher je besser zu wahren . Er that nichts weiter als was heutzutage jede Regierung , ja selbst jede w ohl eingerichtete Schule , er entfernte den der sich in die bestehende Ordnung der Dinge nicht fügen wollte aus den Marken seines Bereichs . Unter Mrabans Vorsitz ward 852 eine dritte Synode zu Mainz und 853 eine vierte zu Frankfurt im königlichen Palaste gehalten . 
69 ) Via . Conciliorum ( Paris 1644 . fol . ) T . XXI p . 579 . Eigentlich Wiederholung des bereits 813 in Tours fassten Beschlusses . S . Scliröckhs Kirchengeschichte XIX S . 114 . 
70 ) Epist , ad Eberardum apud Mabillon . 1 , c . praef . p . XLVII .
	        
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