III. Nikolaus von Cues und die Entdeckung der Annalen (I - VI) des Tacitus 1. Die Probleme der Biographie des jüngeren Cusanus Heinrich von Grebenstein war ein mechanischer Vermittler antiken Geistesgutes zwischen einer alten deutschen Klosterbibliothek und den italienischen Humanisten gewesen. Zu ihm aber gesellte sich in dersel¬ ben Aktion eine Persönlichkeit, die in ihren Studienjahren die Luft der neuen italienischen Geistigkeit geatmet hatte und von da aus als Mittler aus innerer Berufung bestimmt schien. Während der Hers¬ felder Mönch so sehr der Vergessenheit anheimfiel, daß bis jetzt noch nicht einmal sein Name bekannt war, sollte jener andere bald einen klangvollen Namen und einen wichtigen Platz in der Geschichte des abendländischen Geistes erhalten. Es ist der als Naturwissenschaftler, Philosoph, Theologe und Kirchenreformer in der deutschen Kultur- und Kirchengeschichte des 15. Jahrhunderts kometenhaft aufsteigende Nikolausvon Cues, der universelle Geist des Spätmittelalters. In Fortführung unserer Arbeit über die humanistische Erschlies¬ sung der Fuldaer Bücherei werden wir einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Biographie des jüngeren Cusanus liefern und zeigen, wie der damals fast namenlose „Trierer" sich in die italienischen Huma¬ nistenkreise als Gleichberechtigten einführte — durch Funde in jenem Schatzhaus von Altertümern, das die Fuldaer Handschriftensammlung war. Zwar sind die Beziehungen des Nikolaus von Cues zu Fulda noch von keiner der vielen Abhandlungen über die alte Fuldaer Klo¬ sterbibliothek und ihre Schicksale erwähnt worden. Auch in das Blick¬ feld der Fuldaer Lokalgeschichtsforschung ist Cusanus bislang nicht getreten. Vergebens befragt man auch die Biographien1) des großen ') Am besten Edmond Vansteenberghe, Le Cardinal Nicolas de Cues (Œ Bibliothèque du XV ® siècle t. XXIV), Paris 1920. fi* p'- ¿ ,