— 54 — V. Marbach als Freimaurer in seinen Anschauungen über Kirche und Religion. Marbach war ein streng religiöser Mensch und sein Glaube ging aus seiner tiefinnersten Ueberzeugung her¬ vor. Zwar hing er nicht, wie es sich bei dem Philo¬ sophen und Mathematiker kaum anders denken lässt, an den einzelnen Uogmen der Kirche; aber der Glaube, der in Liebe thätig ist; der Glaube, der seine Bekenner zur grösstmöglichen Vollendung, zur Gottähnlichkeit, führt, wie sie in Christi Vorbild gegeben ist; der Glaube, der zur Heiligung der Gesinnung führt, so dass der eigene Wille in der Vollbringung des göttlichen Willens auf¬ geht; der Glaube, der eine Zuversicht ewigen, unvergäng¬ lichen Lebens ist — der war in ihm lebendig. Wenn er von diesem Glauben sprach, wie das bei meinem Ver¬ kehr mit ihm in den letzten Jahren öfter geschah, dann leuchtete sein Auge, dann wurde sein Herz warm und sein Wort begeistert. Er selbst legte seine Ueberzeugung über Glauben und Wissenschaft, als vor Freimaurern von Freimaurern die Forderung ausgesprochen war, für die Wissenschaft gegen den Glauben Partei zu ergreifen, darin nieder: „Ich habe ein nach menschlicher Vorstellung langes und arbeit¬ sames Leben hindurch mich mit der Wissenschaft ab¬ gegeben — mit Philosophie, Mathematik und Naturlehre, also just mit den Zweigen der Wissenschaft, aus denen die modernen Gegner des Glaubens ihre Waffen holen, für deren eifrige Vertreter diese Gegner sich ausgeben. Und so dürfte man wohl annehmen, wenn es sich darum handelte Partei zu ergreifen im Kampfe zwischen Wissen¬