— 128 — Jeder, der ihm selber und seinen Mitmenschen rühmlich erscheint — was doch eigentlich nichts an¬ deres sein könne, als dass man als freier Mann seiner Ueberzeugung folgen solle und bei seinen Mitmenschen eines guten Rufes geniessen müsse. Gott fürchten, recht thun und die Brüder lieben, verlange Judenthum und Christenthum; wer diese Pflichten übt, ist rechter Frei¬ maurer, ob Jude oder Christ. XII. Marbach und Goethe. Dass Marbach ein grosser Verehrer Goethe's und von den Werken des Altmeisters begeistert war, ist bei seiner ganzen Naturanlage selbstverständlich. Zeigte er doch diese Begeisterung auch für die anderen Geistes¬ heroen nicht nur des deutschen, sondern auch des Grie¬ chen- und Römervolkes, wie seine schriftstellerischen Ar¬ beiten so vielfach beweisen; aber zu keinem fühlte er sich mehr hingezogen als zu Goethe. Er selbst erzählt, dass er im Jahre 1829 als Halle¬ scher Student nach Weimar gereist sei aus keinem an¬ deren Grunde, als Goethe von Angesicht zu Angesicht zu schauen. Sein sehnliches Verlangen, ihm persönlich vorgestellt zu werden, wurde zwar nicht erfüllt, wie er gehofft, aber er konnte ihn wenigstens am Fenster erblicken und am Nachmittage gelang es ihm durch Vermittlung des Gärtners in Goethe's Gartenhaus einzu¬ treten. In dem Arbeitszimmer des grossen Mannes fand er auf dem Schreibtisch ein Blatt Papier von Goethe's Hand