— 145 — Bibelwort anlehnten, oder von ihm getragen wurden, seine Wander- und Kettensprüche, oder seine Bearbeitungen an¬ tiker Dichtungen für maurerische Zwecke u. dergl. zu hören, die ungemeine Wirkung, die sie auf den Hörer ausübten. Proben davon, die ein Bruder „nicht als glänzende • Muscheln und schimmernde Kiesel, sondern als Perlen und Edelsteine" bezeichnete, finden sich in allen seinen obengenannten maurerischen Schriften zerstreut. Die „Freisteine" enthalten zum grössten Theile und »Lenz und Liebe" und „Licht und Leben" einzig und allein solche poetische Gaben; so manches Tafellied von ihm ist nur für die eine Loge gebraucht worden und schlummert im Archiv der Loge. Ob Marbach bedeutender als maurerischer Dichter oder als maurerischer Redner gewesen sei, wage ich nicht zu entscheiden, jedenfalls hat er auch in der letz¬ teren Eigenschaft Grosses geleistet. Seine dichterische Begabung, seine reiche Lebenserfahrung, seine allseitige wissenschaftliche Bildung, dazu seine herrliche Darstel¬ lungsgabe befähigten ihn zum Redner. Seine in die Welt hinausgegangenen Logenreden geben Zeugniss von der künstlerischen Gestaltung und Vollendung, sowie von dem oratorischen Schmuck, den er diesen Reden zu geben wusste. Aber auch der In¬ halt derselben war auf Erkenntniss der Wahrheit, auf sittliche Erhebung und Kräftigung des Willens gerichtet. Die Grundgedanken derselben hatten zwar stets einen philosophischen Hintergrund, doch war das religiöse Ele¬ ment immer in ihnen hervorgehoben, weshalb er auch so gern das Bibelwort anwendete, jedoch mit aller Ausschei¬ dung des Dogmatischen und Confessionellen. 10