Uns i terhaltnngs-Seil >e$ „zuldaer Armblattes IIJ _ ..JMAJi age ;.j Hummer (3. -ruck Mt Verlar j 3 £ Mtz'r h«fh«chtru ' venlntworll. rchnstleiter: Eerei £Co Utb, z«lta. Zahrgang 19(7. | k Unter der Roman von Erika (12. Fortsetzung.) „Wenn wir Einblick in unsere Verwaltung hätten, wenn wir Vertreter in das spanische Mutterland senden durften, wenn der Klerus nicht alles hier im Banne hielte, und — Jgnatio sprang erregt auf.' Auch Herbert hatte sich erhoben und ging auf Jgnatio -u: „Ich dachte,^ Sie würden heute bei uns bleiben, zuerst jetzt die Prozession mitansehen und dann den Lunch bei unö einnehmen. Meine Frau rechnet darauf — ich denke, sie wird gleich kommen und es Ihnen bestätigen In demselben Augenblick trat Sylvia ein. Als sie in ihrem Zimmer beim Umkleiden war, hatte ihr Antonio dmch die Tür Jgnatios Besuch gemeldet, und sie beeilte herunterzukommen, um in einem eigullümlichen Gefühl von Sorge eine längere Unterhaltung zwischen Jgnatio und Herbert zu verhindern. Ob Jgnatio ihr wirklich ergeben war, ob er Herbert gegenüber von seinen Beobachtungen am Empfangsabend neulich schweigen wurde? Sie blickte ihn mit unruhigen, forschenden Augen an, als er auf sie zueilte und sie durch Handkuß ehrerbietig begrüßte. Als Herbert seine letzten Worte wiederholte und^ auch Sylvia seine Einladung unterstützte, erwiderte Jgnatio mit einem Anflug von Bitterkeit: „Ich werde mich von meinem Wagen, der draußen wartet, so schnell wie möglich in mein stilles Land hinausführen lassen, um nichts von dem Klerus, von dem Pomp, den er bei den Prozessionen veranstaltet, zu sehen! Glauben Sie mw — Frau Beermann, daß es mich mit Bitterkeit er¬ füllt, wenn ich die kostbaren Gewänder und Edelsteine sehen muß und dabei an die Armut der Eingeborenen hier denke, denen ihr bißchen Hab und Gut wegprozessiert wird. Deswegen enlswuldigen Sie mich für heute, und schenken Sie mir die Gewißheit, daß ich Sie beide bald in meinem Landhause als Gäste bei mir sehe. - Ich höre schon unten einen Wagen Vorfahren — leben Sie wohl! Ich werde morgen früh noch einmal Herkommen, denn wir sind ja heute mit unserer geschäftlichen Besprechung nicht fertig geworden. Ich denke, daß schon in acht Tagen de, neue Herr eintreffen wird, der bisher in einer Apotheke in Tokio arbeitete. Sie müssen dock, noch eine tüchtig« Hufe neben sich haben; Herr Krapfeubauer hat genug nui der Leitung des Drogenlagers zu tun." „Da kommen de Contis", sagte Sylvia, als draußen Stimmen im Treppenhause hallten. Über Jgnatios G. sicht gmg ein Zug des Unmutes. „Ich würde ihnen nid t gern begegnen, es würde den Spaniern auffallen, wenn mtdj letzt fortgehen sehen —" .Dann kommen Sie durch Krapfenbauers 8immr die Türen fuhren dort auch zum Treppenhansel" erwidev Herbert. Er klopfte an, und da Krapfenbauer von seinem neben liegenden Ankleidezimmer mit „Herein" antwortete, ri er ihm zu, daß seine Braut eingetroffen sei. Dann fühlte er Jgnatw unauffällig durch das Zimmer zur Treppe. Man vernahm im Wohnzimmer nebenan bereits, wie i CoMaJte' spMWen Gäste empfing. I Grupe-Lörcher. (Nachdruck verboten.) Als Herbert gleich darauf das Wohnzimmer im Entre« sol wieder betrat, wurde er von den de Contis mit einem Älchwall liebenswürdiger Redensarten begrüßt. Doktor de Conti schien sehr aufgeräumt und guter Dinge, es war ganz klar, daß er im stillen über die gute Partie seiner Tochter mit dem gutsituierten, blindverliebten Krapfen¬ bauer frohlockte. Mercedes hatte sich sehr niedlich heraus¬ geputzt und plauderte und lachte mit ihrem Verlobten mit wühlberechneter Koketterie, um ihn immer fester zu ge¬ winnen. während Frau de Conti mÜ Sylvia über die baldige Hochzeit sprach. Es fanden sich noch mehrere Bekannte ein, hauptsäch¬ lich Spanier, denen die vorüberziehende Prozession ein willlommenes Schaugepränge war. „Jetzt werden sie bald vorbeikommen!" rief die Gattin des Admirals, „eben hat die Prozession vor dem Palais des Erzbischofs Halt gemacht!" Sie begrüßte Herbert und Sylvia flüchtig mit einigen liebenswürdiger« Redensarten und ließ sich dann sogleich in ein eifriges Gespräch mit Torrechon, einem einflußreichen spanischen Verwaltungs¬ beamten, ein. Als Sylvia an einem kleinen Seitentisch stand und Antonio anordnete, kleine Näschereien und Limonaden anznbieten, fing sie Bruchteile der halblaut geführten Unterhaltung zwischen der Admiralin und Torrechon auf. Sie glaubte zu verstehen, daß es sich um eure Kollekte zum Besten eines Hospitals in Manila handle, die beide als Protektoren unter ihrem Namen er¬ öffnet hatten und für die schon 30 000 Pesetas zusammen¬ gekommen waren. Aber die beiden Protektoren schienen sich eben über eine andere Verwendung einig zu werden, da sie beide bald nach Spanien zurückkehrcn würden. Die Unterhaltung der Anwesenden drehte sich um die oberflächlichsten Dinge, und auch als von der Straße her heranziehender frommer Gesang lateinischer Weisen erklang, war von irgendeiner religiösen Aufmerksamkeit, Sammlung oder Anteilnahme keine Spur zu bemerken. Die Herren sprachen von einer französischen Operettentruppe, die kürzlich in Manila gastiert hatte, die Damen tuschelten sich hinter den Fächern, die künstlich frisierten Köpfe mit den seidenen Mantillen zusammengebeugt, allerlei Pikantes über eine kürzlich nach Spanien zurückversetzte Familie zu, "" ■ ‘ ' ' — ■' *3 md Mercedes überlegte mit Krapfenbauer, welchen Schmu 'r ihr zum Brautgeschenk machen solle. Erst als die verschiedenen Heiligen in prächtigen Ge¬ wändern, mit kostbaren Kronen, Diademen und Heiligen» cheinen, vorübergetragen wurden, verstummte die Unter¬ haltung und man rückte näher an die Fenster. Der mvhlgeschulte schöne Gesang der Chorknaben, ber vielen Geistlichen und Mönchsorden, der Weihrauch, 5ie< farbenprächtigen Gewänder der Geistlichkeit — das alle- nahm mit seinem eigenartigen stimmungsvollen Glanz Sylvias Aufmerksamkeit ganz gefangen. Und sie vergaß für Momente den Gedanken, der sie seit Tagen quältet' „Was wird nun werden?" Mercedes beobachtete sie einige Zeit verstohlen Herbert halte sich zu dem Brautpaar gesetzt, und währentz'